Kategorie: Nordamerika

USA: Surreales unter Palmen

Von: Martin Wein (Text + Fotos)

Ja, ja Miami Vice, Disneyworld, Palmenstrände - geschenkt. Florida hat sich auch zur hippen Destination für Kunstfreunde entwickelt. Alte Meister und poppig-bunte Streetart warten.

Aus dem alten Lagerhaus-Viertel Wynwood ist in wenigen Jahren eine international beachtete Freiluft-Kunstmeile geworden.

Sonne, Strände, Golf und Vergnügungsparks: Dass Florida all diese Urlaubswünsche spielend erfüllt, ist hinlänglich bekannt. In den letzten Jahren hat sich der südlichste US-Bundesstaat auch zum Anziehungspunkt für Kunstfreunde entwickelt. Und genau hier sei der „hippest place in town“, sagt Mirka Roch Harris und lässt die Arme schweifen. Hier heißt Wynwood und liegt fünf entscheidende Meilen nördlich der Wolkenkratzer in Downtown Miami und ebenso weit östlich der Hotels von Miami Beach.

Niedrige Lagerhäuser, oberirdische Stromkabel und bröckelnder Asphalt sind Zeugen der Vergangenheit, als Einwanderer aus Puerto Rico, Schrauber, Selfmade-Handwerker und Kleinkriminelle das Viertel prägten. Noch vor zehn Jahren wagte sich hier kein Tourist aus dem Auto. Inzwischen kommen Hunderttausende aus aller Welt und Mirka, die Tochter argentinischer Einwanderer aus Miami Beach, kann sich vor Anfragen für ihre Gastro-Kunst-Touren kaum noch retten. Alle wollen zu den Wynwood Walls, dem größten Ensemble für Freiluftkunst weltweit.

Schon 2003 hatte eine Gruppe aus Galeristen, Künstlern und Kuratoren sich in einem Kunstdistrikt zusammengetan, um neues Leben in das schäbige Viertel zu bringen. 2009 sprang der inzwischen verstorbene New Yorker Immobilienentwickler Tony Goldman auf. Er kaufte sechs Lagerhäuser und lud inzwischen 70 Künstler aus 20 Ländern ein, die Wände zu bemalen. Bunt geht es seither zu in Wynwood und fröhlich unkonventionell, allerdings keineswegs unpolitisch. Eine hochkarätige Jury wählt die Kandidaten jedes Jahr neu aus. Die Einladung ist Gold wert. David Choo beispielsweise bemalte anschließend die Büros von Facebook und gilt inzwischen als 200 Millionen Dollar schwer, berichtet Mirka.

1

2

3

4

vor >