Kategorie: Australien, Neuseeland

Wo sich Robben und Pinguine Gute Nacht sagen

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Überleben will gelernt sein. Nicht dass Elton Smith Hunger litte. Im Gegenteil: Wie eine Glucke sitzt der Neuseeländer auf einem Stapel aus ganzen Paletten von Konservendosen, Softdrinks, Kochgeschirr, Rucksäcken und Iso-Matten. Die graue Wollmütze hat er in die Stirn gezogen gegen den Fahrtwind auf dem offenen Deck des Ausflugsschiffes. Oberhalb des Kinns mit dem dunkelblonden Fünf-Tage-Bart schauen stahlblaue Augen über den Lake Manapourri, den tiefgrau umwölkten Bergen des Fjordland-Nationalparks auf Neuseelands windiger Südinsel entgegen.

Auf dem Weg zum Sound, der eigentlich ein Fjord ist, kann man nach zweistündiger Wanderung vom Sattel des Mount Key das Bergpanorama genießen.

„Eigentlich müsste es Wetland Nationalpark heißen“ presst Elton Smith zwischen den Zähnen hervor. Wird der Ausflugsort Manapourri am gleichnamigen See noch mit geringem Jahresniederschlag von 1143 mm verwöhnt, so sind es am anderen Seeende bereits 3786 mm. Auf der gegenüberliegenden Seite der Berge am Ausgang des Doubtful Sounds gehen jährlich 5290 mm Regen nieder, mehr als doppelt soviel wie in Norddeutschland.

Genau in dieses Regenloch ist Elton Smith unterwegs. Auf einer abgelegenen Insel im Doubtful Sound wird er sein Zelt aufgeschlagen und dann zwei Wochen lang Wiesel zählen. Ist der Bestand gering, sollen die aus Europa eingeführten Räuber ausgerottet werden, um seltenen Vögeln ein sicheres Refugium zu bieten.

Mit Nistarbeiten sind im Frühjahr die Gelbaugenpinguine beschäftigt. In den Fjorden der Westküste können Besucher das rasselnde Schnattern der rund 60 Zentimeter großen Vögel mit ihren merkwürdigen gelben Streifen um die Augen noch in freier Natur hören.„Man muss mit sich selbst schon gut stehen“, sagt der Parkranger über seinen Job. Überleben heißt hier vor allem Geduld haben, wenn der Regen drei Tage am Stück keinen Schritt vors Zelt zulässt. Die längste Regenperiode im Doubtful Sound habe 67 Tage angedauert, erzählt er.

Ausgerechnet der Regen ist es, der jährlich mehr Touristen in die unwegsame Gegend zieht, eine der letzten fast unberührten Naturlandschaften der Welt unter UNESCO-Schutz. Die extreme Feuchtigkeit hat eine Urlandschaft geformt mit 14 tiefen Fjorden, schneebedeckten Bergen und eine Vegetation, die weltweit ihresgleichen sucht. Die Wassermassen waschen so viele Nährstoffe aus dem Gestein, dass Moose, Flechten und Farne auch an fast senkrechten Felswänden kleben, wo es keinerlei Humus gibt.