Kategorie: Afrika

Simbabwe: Zeit für die Fälle

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Simbabwe wurde als attraktivstes Reiseziel 2014 prämiert. Viele Veranstalter kehren zurück und vermarkten die vielseitigen Möglichkeiten für Tierliebhaber, Wanderer oder Kanuten. Beim Elefantenritt kommt man den größten Bewohnern des Landes sogar hautnah.

In verschiedenen Kaskaden stürzt der Sambesi an den Viktoriafällen in die Batokaschlucht.

Izibulo ist offensichtlich zufrieden. Genüsslich reißt der junge Elefantenbulle das Maul auf und entblößt seine eindrucksvollen Mahlzähne. So kann man ihm die runden Kugeln aus Hirse und Sonnenblumenöl gleich händeweise hineinwerfen. Sie sind der verdiente Lohn für einen eindrucksvollen Ritt auf dem größten Landtier der Erde durch den Victoria Falls Nationalpark ganz im Nordwesten Simbabwes. Aristo Marume und seine Kollegen vom Anbieter „Wild Horizons“ haben die ersten vier Tiere 1995 als Waisen einer Keulungsaktion übernommen. Heute ist die Herde auf 14 Tiere angewachsen und lebt zwischen den zwei Ritten morgens und abends halbwild im Park. Problemlos entwurzeln die Tiere dabei manchen Baum und zeigen, warum eine Überpopulation der Dickhäuter tatsächlich gravierende Probleme mit sich bringt. In den dreistündigen Programmen lernen Touristen die Tiere als Individuen persönlich kennen. Erst beschnüffelt man sich, dann wird geritten und nach der Fütterung gibt es auch für die Menschen ein herzhaftes Frühstück. „Jeder Elefant hat seinen eigenen Kopf“, sagt Tierlenker Marume. In der Karawane fühlt sich der elfjährige Izibulo, seinerzeit das erste Jungtier der Herde, etwa nur hinter seiner Mutter Jenny wirklich wohl. Dann zeigt er sich äußerst geschickt und hebt unachtsamen Besuchern schon mal problemlos einen fallen gelassenen Objektivdeckel mit dem Rüssel auf.

Ein Elefantenritt – inzwischen gibt es dafür vier Anbieter – ist nur eine von vielen Aktivitäten, die Touristen in Simbabwe offeriert werden. Nach der schweren Krise 2008/9 und den lange Zeit unsicheren politischen Verhältnissen unter dem Regime des inzwischen greisen Präsidenten Robert Mugabe kehrt das Land jetzt mit Macht zurück. Das European Council on Tourism and Trade (ECTT) prämierte Simbabwe 2014 gar als „Bestes Reiseziel der Welt“. 2013 sollen wieder 2,1 Millionen Besucher gekommen sein, Tendenz steigend. Der wildreiche Hwange Nationalpark oder die größten Ruinen im vorkolonialen Afrika warten darauf, wieder entdeckt zu werden. Das Bergland eignet sich als Wanderrevier und manche Flüsse für halsbrecherische Wildwasserfahrten. Die meisten Besucher wollen derzeit aber nur die Viktoriafälle sehen, die höchsten Wasserfälle in Afrika und die breitesten der Welt. Der eigene Regionalflughafen mit Verbindungen vor allem nach Johannesburg macht den Abstecher bequem möglich. Die 35 000 Einwohner in der Stadt Victoria Falls leben heute ausschließlich von den Besuchern. Die Gästezahlen von Mitte der 1990er-Jahre seienzu 85 Prozent wieder erreicht, schätzt Gästeführer Lovell Mapfa, der Besucher an die schönsten Aussichtspunkte an den 1,7 Kilometer langen Fällen führt. Viele Hotels und Lodges, allen voran das mondäne Victoria Falls Hotel, wurden grundüberholt und bieten wieder internationalen Standard. Unter blühenden Korallenbäumen lässt es sich im gepflegten Ort mit den überall präsenten hilfsbereiten Touristen-Polizisten gut ein paar Tage aushalten. Die Simbabwe-Dollar aus der Inflationszeit mit Werten von bis zu 50 Milliarden Dollar sind nur noch ein kurioses Souvenir, das Straßenhändler gerne in ganzen Kollektionen feilbieten. Der US-Dollar als offizielle Währung sorgt für stabile, teils stattliche Preise. Und damit die Kunden auch in der Nebensaison länger bleiben, wenn wenig Wasser im Sambesi in die Tiefe stürzt, werden ihnen Bungee-Sprünge von der 1905 installierten berühmten Eisenbahnbrücke über die Batoka-Schlucht, Schlauchbootfahrten auf dem Sambesi oder Spaziergänge mit jungen Löwen offeriert. Sogar der Bau eines Vergnügungsparks ist im Gespräch. Abends trifft man sich zum Sundowner auf einem Boot auf dem Fluss und die Mutigen können danach im stilechten „Boma – Place of Eating“ eine pikant geröstete Mopane-Raupe verkosten. Schmeckt tatsächlich nicht schlecht, aber ein Stück Antilope oder Warzenschweingulasch schmecken besser.