
Weitere Fotos auch in einer separaten Fotostrecke:
"Reisen durch den Nebel - Leuchttürme Neufundlands".
Wer mit einem Neufundländer ins Gespräch kommen will, wenn er nach langer Fahrt endlich einen gefunden hat, der erzählt ihm am besten einen Witz. Etwa diesen: Angetrunken fällt ein Neufundländer ins Gebüsch, wo er eine Wunderlampe entdeckt. Er reibt daran, bis der Lampengeist ihn mit drei Wünschen abzuwimmeln sucht. „Ich will eine Bierflasche, die nie leer wird“, verlangt der Insulaner – und hat gleich eine in der Hand. Zufrieden will sich der Mann trollen. „Und die anderen zwei Wünsche?“, fragt der Lampengeist genervt. „Ach, dann hätte ich gerne noch zweimal dasselbe.“
Nirgendwo in Nordamerika ist man Europa näher als auf Neufundland, und doch fast nirgendwo so weit ab vom Schuss. Dass die meisten Witze hier in der Gegend von Neufundländern handeln, stört die deshalb nicht. In den langen Wintern in den abgelegenen „Out Ports“ haben die „Newfies“, wie sie sich selbst nennen, die meisten selbst ausgedacht. Und so kann man noch heute jene komischen Käuze entdecken, denen Annie Proulx mit ihrem wunderbaren Roman „Schiffsmeldungen“ ein literarisches Denkmal setzte.
Die Fahrt, 500 Kilometer an der rauen Westküste der Insel empor, wird dabei zu einer Reise in die Vergangenheit. Schon mit der Ankunft der Fähre in Port aux Basques entschleunigt sich das Tempo. Spanische Walfänger gründeten den Ort im 16. Jahrhundert. Die Überfischung brachte im letzten Jahrzehnt hohe Arbeitslosigkeit. So ist es hier heute nicht belebter als vor 200, 300 Jahren. Einspurige Gassen führen in vielen Kurven zu pastellfarbenen Holzhäusern auf Granitklippen. Den richtigen Weg müssen Reisende in diesem Labyrinth selbst suchen. 515 000 Menschen leben auf der Insel und im benachbarten Labrador auf rund 405 000 Quadratkilometern, rund ein Fünftel davon allein in der Hauptstadt St. John’s. Da trifft man oft stundenlang keine Menschenseele, die man fragen könnte. Und wenn doch, so spricht sie bisweilen jenen einzigartigen Dialekt der Neufundländer, den man nur mit dem eigenen Wörterbuch versteht.