Kategorie: Asien

Pakistan: Zu Fuß durch den Karakorum

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

In Pakistans hohem Norden ist man weit weg von den politischen Grabenkämpfen, die das Land seit Jahrzehnten lähmen. Hier liegen unerschütterlich einige der höchsten Berge der Welt und mit dem Hunza-Tal eine geschichtsträchtige Passage der alten Seidenstraße.

Für diese Aussicht auf den K2 nimmt man auch einen längeren Anmarsch in Kauf.

Nirgends seien die Berge schroffer und die Gipfel steiler als im zentralen Karakorum, hat ein Freund gemeint. Ein Blick ins Lexikon gibt ihm Recht: Vier Achttausender und sage und schreibe 63 Siebentausender drängen sich in diesem maximal 150 Kilometer breiten Gebirgskamm im Herzen Asiens. Die wollen wir sehen, allen voran den K2. Das ist mit 8611 Metern nicht nur der zweithöchste Gipfel der Welt, sondern mit seiner Kegelform auch ein Berg wie aus dem Bilderbuch. Das Problem ist nur: Die Hauptroute zu seinem Fuß liegt in Pakistan. „Das ist ja wohl eine Schnapsidee“, sagt meine Mutter am Telefon, als sie von unseren Plänen hört.

Eine Reise nach Pakistan ist derzeit zweifellos kein Pauschalurlaub. Immer wieder neue Nachrichten von Anschlägen erschüttern jedes Vertrauen in den Staat. Im Frühsommer 2013 werden auf der legendären Märchenwiese am Fuß des Nanga Parbat sogar erstmals gezielt Touristen erschossen und die Täter nie gefasst. Außerdem sind Expeditionen in die Berge nur mit lizensiertem Führer und staatlichem Permit zulässig. Andererseits soll im Norden friedliche Ruhe herrschen. Also buchen wir doch einen Flug nach Islamabad.

Während die Hauptstadt als Kunstgebilde in den 1960er-Jahren an der Grenze vom Flachland des Punjab zum Mittelgebirge errichtet wurde, wird es erst 1000 Kilometer nördlich wirklich spannend. Wir haben Glück und bekommen einen der seltenen Inlandsflüge, die so oft wegen schlechten Wetters oder anderer weniger nachvollziehbarer Gründe ausfallen. Nur eine Stunde später stehen wir auf dem staubigen Rollfeld von Skardu, der Provinzhauptstadt von Baltistan mitten im breiten, braunen Indus-Tal. Über einen Mittelsmann haben wir alles Weitere planen lassen. So wartet im winzigen Flughafenterminal unser Bergführer Mohammed Aman. Er stammt aus dem letzten Dorf im Hunza-Tal an der chinesischen Grenze. Vor 15 Jahren hat er als Gepäckträger angefangen und kennt den Karakorum so gut wie sein Heimatdorf. Und er kennt die westlichen Besucher. Unbedingt brauche „Mr. Marton“ einen pechschwarzen Regenschirm, sagt er. Im Basar der 25 000-Einwohner-Stadt kaufen wir wuchtige Stockschirme wie für eine Beerdigung.

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