Kategorie: Türkei, Asien

Türkei: Zum Fastenbrechen am Kaiser-Wilhelm-Brunnen

Von: Martin Wein (Text und Fotos)

Ein Besuch in der pulsierenden Metropole Istanbul widerlegt manche Klischees über Orient und Okzident.

Das allabendliche Fastenbrechen im Schatten der Blauen Moschee ist ein buntes Volksfest. Die Eisverkäufer bieten neben der Abkühlung auch ein eigenes Showprogramm.

Was für ein Schock. Vergangenen Sonntagabend mit der Nordwestbahn nach Wilhelmshaven: Die bessere Vorortbahn ist rappelvoll mit Soldaten, es riecht nach Schweiß. Von Huntlosen bis Oldenburg müssen alle sich in zwei noch engere Busse quetschen, danach dann in Oldenburg eine halbe Stunde auf den Anschlusszug warten. Da schon der Anschluss in Osnabrück nicht funktionierte, sind zwei Stunden Verspätung keine Ausnahme. Von wegen deutsche Pünktlichkeit! „Sie können sich ja beschweren. Nützen wird es nichts“, sagt die Bahn-Angestellte am „Service-Point“ im Oldenburger Bahnhof. Von wegen neue Service-Gesellschaft!

Ich komme aus Istanbul, Metropole der Türkei mit fast 12 Millionen Einwohnern. Ein nahöstlicher Moloch, möchte man meinen. Doch die Altstadt ist malerisch, die Viertel fast lieblich auf einige Hügel um den Bosporus und das Goldene Horn getupft. Die große Fußgängerzone in der Neustadt ist blank geputzt. Die Geschäfte sind mindestens so elegant wie in Berlin. Das gelbe „M“ grüßt neben Dönerbuden. Doch die locken in ihren Schaufenstern mit Köstlichkeiten, die hierzulande kein Schnellimbiss je geboten hat. Der Nahverkehr ist zuverlässig und effizient organisiert. Straßenbahn, Busse und Fähren sind getaktet und aufeinander abgestimmt. Mit Jetons kommt man zu Einheitspreisen durch die ganze Stadt.

Und mitten im Getümmel steht auf dem Gelände des alten Hippodroms, wo Ostroms Kaiser das Volk mit Wagenrennen ergötzten, der Kaiser-Wilhelm-Brunnen (türkisch: „Alman Çeşmesi“, deutscher Brunnen). Den ließ Wilhelm II. 1900 in Erinnerung an seinen Besuch bei Sultan Abdülhamid II. 1898 aufstellen. Auch wenn das Osmanische Reich nach dem ersten Weltkrieg ebenso endete wie das Deutsche: Noch heute bewundern Millionen Touristen jährlich das ungewöhnliche Bauwerk im neobyzantinischen Stil.